Schiftkurs im Zunfthaus Hannover

-Ein kleiner Einblick von F.V.D. Wilhelm Erler-

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Am 4.3.2013 war es mal wieder soweit. Es fand mal wieder der —seit den 80er Jahren bestehende— bis jetzt eigentlich immer gut besuchte Schiftkurs in der F.V.D. Herberge Zunfthaus Hannover statt. Rechtzeitig angekündigt und geleitet wurde er von unserem Kamerad Welf Kaufmann (e.F.V.D.) der seine Fertigkeiten als Zimmermeister mit uns teilen wollte. Um Anmeldung wurde gebeten, zwecks der Organisation verschiedener Arbeitsmaterialien, doch auch spontane Zureise war absolut kein Problem. Diesmal waren zur aktiven Teilnahme leider nur vier Gesellen dabei. Und ein Tischlerlehrling, der nach der Arbeit noch reges Interesse am dachausmitteln, schiften und dem zünftigen Leben reisender Gesellen zeigte.

Der Kurs startete am Montag mit einem ausgiebigen Frühstück um acht Uhr. Ca. halb neun machten wir uns dann im Handwerkssaal breit, bewaffneten uns mit Reissbrett, Dreieck und Bleistift und machten zum warmwerden ein paar einfachere Dachausmittlungen. So konnte jeder für sich, aber auch Welf, sehen, auf welchem Stand man gerade ist. Und das war auch gut so. Denn je nachdem wie lang einer von uns vieren aus der Lehre raus war, war auch noch unterschiedlich viel vom theoretischen Wissen vorhanden. Doch genau bei diesem Punkt zeigte sich der Vorteil von einer so kleinen Gruppe. Denn bei diesem Umfang kann sich der Mentor dem Wissensstand eines jeden Teilnehmers annehmen und sich auch in die jeweilige Aufgabe hineindenken.
So vergingen eigentlich die ersten zwei Tage. Jeder konnte sich individuell langsam steigernd aus dem grossen Sammelsurium unterschiedlichster Dachausmittlungsaufgaben, Grundrisse raussuchen und sie mit verschiedenen Zusätzen wie ungleiche Neigungen oder ungleiche Traufhöhen lösen.

Am Mittwoch kam dann der einh. r. frd. Zi. Jorg Peter Ebert, um uns anhand von bildhaften Beispielen auf seinem Laptop (aufgrund organisatorischer Missverständnisse hat niemand einen Beamer besorgt) das Arbeiten mit der Zeichen- und Abbundsoftware „Dietrichs“ näher zu bringen. An dieser Stelle konnten wir auch auf aktuelle, im Schiftkurs angefallene, Problematiken eingehen, sowie auch mal einen Blick auf einen 3D Entwurf des CCEG- Projektes „Europahaus Dümmersee“, werfen. Zum Mittag haben wir dann bei herrlichstem Sonnenschein gegrillt. Abends gab es dann einen öffentlichen Trudel- und Schallerabend wo auch andere zugereiste Gesellen, sowie Aspiranten und unser Herbergsvater Frank, zünftig unter der Anleitung von Kamerad Zopf, geschallert, geklatscht und getrudelt haben.

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Am Donnerstag begannen wir dann mit Detailzeichnungen bzw. Aufrissen und Austragungen von verschiedenen Bauteilen im Dach. Freitag gab es dann einen gemeinschaftlichen Zahnarztbesuch, den drei von uns wahrgenommen haben, mit anschliessendem Besuch des Rathauses und der Handwerkskammer. Das Wochenende wurde unterschiedlich genutzt. Sei es ein kurzer Abstecher nach München zum schmoren, oder der Besuch eines Richtfestes bei der letzten Scheniegelei. Am Ende aber, haben alle wieder den Weg durch das Schneechaos zurück nach Hannover gefunden, und konnten bei noch ein zwei Einbeckern das Wochenende Revue passieren lassen.

Das Ziel der zweiten Woche war mindestens ein Modell aus Pappe, aus einer der vorher angefertigten Dachausmittlungen, zu bauen, und mindestens eins aus Holz mit möglichst anspruchsvollen, schrägen Bauteile. Der dazugehörige Aufriss und die Austragung der Bauteile in der Flächenschiftmethode, bereitete anfangs allen erst einmal Kopfzerbrechen. Doch mit viel Geduld und Erklärungsausdauer von Seiten Kam. Welf hat es nach und nach bei jedem klick gemacht und wir konnten mehr oder weniger selbstständig üben und die wieder neu erlernten Kenntnisse festigen.

Den Mittwoch widmeten wir einer ausgiebigen Ämtertour durch die Stadt Hannover welche zur finanziellen Durchführung des Kurses beitrug. Am Abend gab es dann wieder einen öffentlichen Trudel- und Schallerabend, sehr zur Freude des zugereisten Aspiranten. Danach wurde noch zünftig geschmort und der Abend ausklingen gelassen.

Donnerstag und Freitag arbeiteten alle fleissig an ihren Modellen was letztendlich auch sehr gut gelang. Am Ende der Woche konnten wir dann stolz, wie auch auf dem Foto zu sehen eine Kehlecke mit Schiftern, ungleichgeneigte Gratecken mit Wechsel, schrägem Giebelsparren und Strahlenschiftern in unterschiedlichen Einbaulagen und ein ungleichgeneigtes Krüppelwalmdach mit sich kreuzenden Schiftern und schrägen Giebelsparren.

Als Fazit für den Kurs kann ich sagen: Es war eine entspannte Runde mit lockerer Atmosphäre, vielen Litern Kaffee und Bier, immer leckerer, abwechslungsreicher Kost, da jeder mal dran war mit kochen. Und interessanten Geschichten aus früheren Tagen, welche Kamerad Zopf sehr detailgetreu wiedergeben kann. Fachlich hat mich der Kurs auch weitergebracht, ich würde sagenhier habe ich die Methode der Flächenschiftung erst richtig verstanden. Und auch der restliche Stoff wurde mal wieder gefestigt. Ich weiss nicht ob das jetzt alles zu trocken klang. Also will ich nochmal klarstellen: eigene Vorschläge sind gerne gesehen und Kreativität ist sowieso wichtig!

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In diesem Sinne, nächstes Jahr um ca. die gleiche Zeit gibt es wieder einen Schiftkurs. Es wird rechtzeitig bescheid gegeben und ich kann die Teilnahme vor allem jungreisenden im ersten Reisejahr nur empfehlen.
Und natürlich wollen wir auch mal wieder Gesellen aus anderen Schächten willkommen heissen!

Holz hin Gesellen!