Ein Tag auf der Walz….

heißt, nicht zu wissen wohin der Weg einen führt und nicht zu wissen wo er endet.

„ Wie geht es jetzt weiter und wohin führt mich der Weg?“ Solche Fragen werden auf eine andere Ebene gestellt und da es darauf nicht wirklich eine Antwort gibt, werden sie immer unwichtiger.
Sich einlassen auf Neues und immer neugierig sein, ist für mich Grundlage für meine Erfahrungen und unvergessliche Momente auf meiner Wanderschaft.

Sehr früh aufstehen, hieß es für mich an diesen noch sonnigen Frühlingmorgen im Mai. Ich befand mich auf einem kleinen Hof östlich von Traunstein. Eine sehr nette Familie, die ich ein paar Tage zuvor kennengelernt hatte, bot mir, gegen etwas Arbeit, Unterkunft und eine warme Mahlzeit an.

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Mein grobes Ziel war in den nächsten Tagen die schöne Stadt Salzburg kennenzulernen. Daher schnürte ich meinen Charlottenburger und mit meinem Stenz in der Hand verabschiedete ich mich dankbar von meiner Gastfamilie. Eine kleine Schmalspurbahn schlängelte sich durch das grüne Tal nicht weit ab von meinem Weg und führte mich zu einer kleinen Bahnstation. Von weiten dachte ich zuerst bei so viel Rauch würden Häuser brennen. Es war aber nicht Feuer welches loderte, sondern eine alte Dampflokomotive das im eigenen Rauch und Dampf eingehüllt war. Interessiert studierte ich die „Lok“ und war fasziniert von der Mechanik, als plötzlich jemand schrie: ” He Wandergeselle, komm rauf ich nehme dich ein Stück mit”.

Es war der Lokführer der zu mir rief. Das Angebot ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und sprang vorne mit auf. Wie sich rausstellte war der Mann einer der letzten seiner Art die sich mit dem Bedienen einer solchen betagten Maschine noch auskannten. Er erzählte mir auf interessante und beeindruckende Art und Weiße, von seinem Handwerk und von seinem Leben. Vorbei an Wiesen und Wäldern kreuzten wir irgendwann einen Weg. Dort hielt der Zug und mein neuer Bekannter wünschte mir eine gute Wanderschaft und rief mir noch nach: ” Bleib auf den Weg und geh immer grad aus, dann kommst nach Salzburg”.

„Schwein muss man haben“ dachte ich mir, schaffe ich es vielleicht sogar noch vor der Nacht in Salzburg anzukommen. War es scheinbar, nur noch ein Katzensprung bis zur Geburtsstadt von Mozart. Leider zu früh gefreut, denn mein anfängliches Glück war nicht von langer Dauer. Dunkle Wolken zogen auf und sehr schnell begann es bereits heftig zu donnern und zu blitzen. Die ersten Regentropfen fielen auf mir auf meine schwere Kluft.
Ich machte mich daher auf nach einer Unterkunft für die hereinbrechende Nacht zu suchen. Es wollte aber irgendwie nicht so richtig klappen. Egal wo ich anfragte, niemand hatte etwas für mich frei. Nachdem die Sonne bereits unterging und ich durchnässt war, beschloss ich erstmals in die erste Kneipe zu gehen die auf meinem Weg lag. Ich platzierte mich an der Theke, wärmte mich auf und trank zur Stärkung ein Bier. Die Hoffnung doch noch zu einem trockenen Schlafplatz zu kommen schwand immer mehr, denn auch aus den zufälligen Begegnungen in der Schänke ergaben sich keine Möglichkeiten.

Mit dem Gedanken hatte ich mich bereits abgefunden, die Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Ich schulterte meinen Charlie und wollte gerade die Kneipe verlassen, da kam just in diesen Moment ein junges Pärchen zur Tür herein und sagten zu mir ohne groß nach zu fragen : ” Komm! kannst zu uns wenn du willst”.
Erleichtert nahm ich das unverhoffte Angebot dankbar an. Es waren Studenten, die mir ein Sofa zum Schlafen bereit stellten und es wurde noch ein schöner Abend bei ihnen.
In Momenten wie diesen, stelle ich immer wieder fest wie schnell sich aussichtlos erscheinende Situationen zum Positiven wenden können.
Interessante Geschichten entstehen oft nur einen Türgriff von uns entfernt.

reisender freier Vogtländer
Paul Horschel