Kamikaze nach Japan

„Nach Japan is’ doch easy“

Im Konsulat mussten wir für das Arbeitsvisum doch noch die eine oder andere Voraussetzung erfüllen. Wir sponnen viel rum, wie wir dort hingelangen könnten. Über Land mit ‘nem Frachter, mit der Trans-Sib. All diese Ideen wurden in Kneipen besprochen und tagsüber abgecheckt. Markus aus Süd Tirol schloss sich glücklicherweise noch an mitzukommen. Naja wie das so ist, kam alles anders. Nachdem wir alle die Kohle zusammen hatten trafen wir uns in Rumänien. Wir schniegelten und reisten durch Rumänien, Bulgarien, Griechenland, die Türkei und Neuseeland zu Fuß und zu Pferde. Wenige Tage vor Ablauf des Visums landeten wir endlich am Ziel.

Den ersten Tag in Japan rollte alles von der Hand. Wir trampten vom Flughafen nach Mito. Beim trampen mussten wir nicht lange warten und fanden eine günstige Jugendherberge. „Uns kann nichts mehr schocken“ dachten wir.

Aber in Japan gibt es nicht so viele Backpacker, wie in Neuseeland. Trampen und Platte finden war schwieriger. Viele Japaner konnten nicht verstehen, dass wir kein Tagesziel hatten. Wenn wir sagten wir wollen Richtung Westen, brachten sie uns viel weiter als sie eigentlich wollten, ständig fragend „Where is your goal“. Manchmal ganz schön peinlich.

Natürlich waren wir bestens vorbereitet. Wir hatten keine Ahnung von Japan und außer Kataba, Mitsubishi, Ninja und Kamikaze konnten wir kein japanisch. Also reisten wir planlos Richtung Kyoto, wo wir eine Adresse hatten.

Soweit uns die Japaner verstanden halfen sie uns gerne. Wenige Japaner behaupten, dass sie Englisch sprechen. Wahrhaftig kennen die Meisten viele englische Worte. Ansonsten wurden wir immer sehr höflich behandelt. Als wir Autobahn trampten, kam sogar die Polizei zum Rasthof. Mütze sah, dass es mit den Uniformierten länger dauerte und besorgte in weiser Voraussicht Softeis. Das schlabberten wir, während wir den Polizisten erklärten, dass wir auf Wanderschaft sind und kein Auto haben. Zum Dank riefen sie mit dem Lautsprecher nach Liften für uns.

Das trampen ging zu dritt mehr schlecht als recht. Auch das Wetter war im Frühling kalt und regnerisch. Wir schliefen oft draußen, in Tempeln, unter Brücken und in lehrstehenden Häusern.

Das ist wie ich später feststellte auch nichts schlimmes. Denn es gibt kaum Obdachlose und der junge Durchschnittsjapaner schläft eigentlich überall ob tags oder nachts, drinnen oder draußen. Ansonsten gibt es manga- oder comic-cafes in denen man für 8-10 Stunden einchecken kann. Dort hat man eine Zelle von 2 m², einen Computer und Fernseher. Bier gibt es in Bars meist für 5 Euro den Halben. Es gibt faszinierende Speisen und etwas schwierig zu mögende Gerichte.

Markus sprach an einem regnerischen Abend ein paar Japaner in unserem Alter an und fragte. „do you know good bar“ Die Jungs schenkten uns ordentlich aus und staunten über unsere Reiseweise. Wir rissen schietendick im Mcdonald platte. Zu unserem erstaunen störte das, die sehr diskreten Angestellten nicht und so blieben wir noch zum Frühstück.

In dieser Nacht verloren wir unsere Japankarte. Deswegen wanderten wir auch drei Tage der Autobahn entlang, durch Bambus- und Zedernwälder. Dann kam unsere Rettung in der nähe von Nagoya.
“ich weis‘et noch… als wär‘et jestern jewesen.”
Es war ein schwarzer Honda legend der neben uns her schlich. In ihm Pfeife rauchend und jazz hörend Kimura San (zwischen unschätzbaren 50 und 100 Jahren). Er hatte einen lichten langen Bart um seinem Mund und Ähnlichkeit mit Mister Miagi aus Karate Kid. In seinem quietschendem Englisch schrie er über die Strasse:

„carpenter, carpenter come in, sleep in my house, my friend famous carpenter is.”
Dieser Einladung konnten wir kaum wiederstehen, lebten 2,5 Monate in ‘nem Ferienhaus in Mie (Präfektur) neben Kimura und arbeiteten für Master Taxi san. Wir hatten sehr viel glück, weil es schwierig ist als „Gaijin“(Fremder) und zu dritt Arbeit zu finden.

Am Samstag vor Kimuras Kirschblüten-Party ist unser Chef leider beim Sprossen pflücken von der Leiter gefallen. Er fiel deswegen zwei Wochen mit Gedächtnisverlust aus. Wir nutzten unsere Freizeit mit Party und schmoren. Wie wir feststellen mussten, ist Frühshoppen und rumkübeln nicht so angesehen. Also organisierte Master Taxi aus dem Krankenhaus, dass wir für viele andere Meister arbeiteten.

Eine alte Scheune von 1900 bauten wie als Nudelhaus bei uns in Komono wieder auf.(unten)
Wir bauten die Halle vom Meister aus, zwei Bänke, eine Badewanne aus Holz, eine Schranktreppe (Bild oben)und ein Baumhaus. Wir lernten mit Bambus zu arbeiten, übten uns mit dem japanischen Breitbeil und arbeiteten mit japanischem Lehmputz . Tagami gab uns einen privaten Schärfkurs und schenkte uns viel Werkzeug. Das lokale fernsehen und die Presse beobachtete unser arbeiten neugierig. Die japanische Baukunst ist sehr clever und fein. Sie haben mit den jahrhunderten gelernt erdbebensichere Holzhäuser zu bauen. In den Grundprinzipien; Fachwerk, Lehmgefache fand ich viele Ähnlichkeiten mit unserer Entwicklung. Doch eins ist klar: Japaner mögen keine Streben.

Das hat alles riesen Spaß gemacht, weil die Leute sich so gut um uns kümmerten.

Markus Visum lief nach drei Monaten ab. Also brachten wir ihn feiernd nach Narita. Er kam durch sämtlichen Kontrollen mit ‘nem vollen Bier. Doch nach dem check in kam er lachend zu uns, „seinen Kellnern“.
“der Tach stimmt, die Uhrzeit auch, hhhhhhhhmmmmmmmmm nur einen Monat zu spät.”

Mit seinem Charme und dem Bier nahmen sie ihn doch noch mit nach Honk-Kong. Mütze und ich gingen nach Niigata und arbeiteten für einen Deutschen. Er bezahlte gut, so dass Mütze nach Frankfurt fliegen konnte. Ich wollte noch wissen, warum die Leute dort so freundlich und fleissig sind und reiste weiter.

In Saitama fand ich meinen wahren Meister.
Er beschrieb sich als faul und konnte gut und oft feiern. Er brachte mich auf alle möglichen Veranstaltungen, traditionelle Baustellen und Seminare bei denen ich meist erst beim Schmoren verstand worum es ging.
Wenn ich morgens verschlief und ich mich nervös entschuldigte, sagte er:
” its OK, I was tired, too” und er brachte mich zur Arbeit. Dort lernte ich noch viel über Abbund, Möbel, traditionelle japanische Häuser und Erdbeben.
Ich besuchte noch ein Euro-japanisches Zimmerertreffen namens Kesurokai in Yamanashi. Wir bauten im Wald nur mit japanischen und deutschen Handwerkszeugen ein Teehaus und ein Fachwerkhaus. Das war sehr interessant und lehrreich.
In zentral Japan ist es sehr heiß im Sommer. Wochenlang 35-40 Grad das geht an die Substanz.
„NORDEN“ dachte ich.
Ich entschloss mich auf das kühlere Hokkaido zu reisen. Ich lernte viele nette Leute kennen und amüsierte mich gut. Da ich die Sprache langsam beherrschte ging das Trampen wunderbar. Dann fand ich die antworten auf meine Fragen und flog nach fast 6 Monaten zurück. Ich freute mich auf Europa und wurde in Hamburg auch nicht enttäuscht.

Japan ist ein faszinierendes Land. Wir haben viele neue Freunde gefunden, und Dinge gegessen von denen wir bis heute nicht wissen was es war. Es war eine gute Erfahrung, die wir jedem nur ans Herz legen können. (bei Fragen: andypost@gmx.net)

r.frd.Zi. Mütze Michael, r.frd.Zi. Erlacher Markus, r.frd.Zi. Esser Andreas

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