Die Flucht aus der Kälte, oder die Reise in ein Krisengebiet

München / Freisingen am 10. Januar im Jahre des Paragraphen

hon an den Flughafen zu gelangen war dank zahlreicher Baustellen eine Qual.

Nach dem Einchecken ging es mit Warten gleich weiter. Dann waren wir endlich in der Luft. Doch nach geschätzten zwanzig Minuten rütteln und schütteln im Flugzeug kam eine durchsage des Piloten „ Es tut uns aufrichtig leid, aber wir müssen wieder umkehren unser Fahrwerk fährt nicht ein.“

Nach dem wir wieder gelandet waren kam auch gleich die nächste Hiobsbotschaft. Starten nach 24 Uhr sei in München nicht erlaubt, so mussten wir bis sechs Uhr morgens Warten. Wenigstens wurden wir in ein Hotel gefahren. Doch der versprochene des Hotels Weckruf kam nicht, somit verschliefen wir auch prompt. Nach langem Diskutieren mit dem Hotel- und Fluggesellschaftspersonals, hatten wir weiterhin selbst Schuld am verpassten Flieger. Der nächste ging wenigstens nur vier Tage später und kostete nur einen „ kleinen“ Aufschlag.

So landeten wir dann am 14. Januar im Jahre des Paragraphen nachts in Cairo.

Tom, Michael und die Sphinx Lange Verhandelten wir bis wir glaubten mit einem der wartenden Taxifahrern den günstigsten Fang gemacht zu haben. Dieser fuhr uns zu einem Hotel am Hauptbahnhof von Cairo und checkte uns dort auch gleich für drei Tage „billig“ ein.

Cairo das wohl größte Chaos am Stück was uns je begegnet ist, riesig, Hecktisch und noch vieles mehr, wie man es von einer 18 Millionenstadt erwartet. Nach ausgiebigen Spaziergängen waren auch die Botschaften nicht mehr sicher vor uns. Drei Tage Eingewöhnungszeit mussten dann auch reichen, da wie immer unsere Zeit nur begrenzt war.

Weiter ging es auch gleich zu den Pyramiden von Giza, mit einer Camel Tour einmal rund rum und ran.

Dazu kann ich nur schreiben vertraut dort niemandem und doch jedem, da wir nach einer weiteren Nacht wirklich geläutert waren was die ägyptische Mentalität angeht.

Jetzt kam auch schon die Probe aufs Exempel, da wir mitten in der Pampa waren probierten wir es gleich mit Trampen.

Dies ging auch gleich mächtig in die Hose, da einmal der Fahrer nicht kapierte wo wir hin wollten und wir im Gegenzug nicht wussten wo er hinfuhr.

Dabei geht das mitnehmen noch, allerdings heißt es beim Aussteigen auch immer bezahlen. Dies ist wie könnte es anders sein immer teurer, als gleich einen öffentlichen Bus oder die Bahn zu nehmen.

Die für Europäer undurchsichtige und verwirrende Straßenführung so wie fehlende Wegweiser machten das Trampen letzendlich unmöglich. So stiegen wir um und fuhren nur noch miniBus oder Bahn, wobei das Problem des Wohins immer noch nicht gelöst war. Aber es war nun billiger sich zu Irren. So fuhren wir Südwärts, besuchten kleine so wie auch große Sehenswürdigkeiten, Tempel und Gräber.

 Karnak Tempel Luxur, so ungefähr sah es vor 6000 Jahren ausNach ca. zwei Wochen kamen wir dann auch schon in Luxur an. Bis dahin hatten wir zwar immer wieder von Demonstrationen in Cairo gehört, doch lag diese Stadt ja hinter uns und wie bei fremden üblich richtete sich unser Blick nur nach vorne.

Die ersten Tage in Luxor waren auch noch friedlich, bis wir den Karnak-Tempel besichtigten und danach nur mit viel Mühe und einem großen Umweg um die Demonstrationen herum in unser Hotel kamen.

Trotz großer Anstrengung begegneten wir dann doch noch kurz dem Mob, konnten uns allerdings fern halten.

Am nächsten Morgen ging es dann auch gleich mit dem Zug voran zur nächsten Stadt. Welche nach unserer Meinung ruhiger sein sollte, war sie allerdings nicht, auch hier wüteten hunderte Menschen auf den Straßen. Was sollten wir tun, die Entscheidung war schnell getroffen, weiter nach Assuan, wohin uns auch gleich der Zug brachte.

Angekommen stieg uns schon der scharfe Atemraubende Geruch des Tränengases in die Nase, wobei dieses schon vor Tagen abgefeuert wurde.

Wenigstens waren die Demonstrationen hier nicht mehr so ausschreitend. Von hier aus machten wir auch unseren letzten Abstecher nach Süden, genauer, nach Abu Simbel zu einer der berühmtesten Tempelanlagen des Pharaos Ramses II. Dies war unsere Kehrtwende. Weiter nach Afrika hinein sollte es diesmal nicht gehen.

 Kehrtwende Abu Simbel der eine geht hin der andere wegAssuan hielt leider auch noch ein paar schlechte Überraschungen für uns bereit. Keine Züge mehr, da der Schienenverkehr wegen den nationalen Unruhen für unbestimmte Zeit stillgelegt wurde.

Nach mehrtägigem warten blieb uns nichts anderes übrig als einen Kleinbus zu nehmen, um wieder zurück nach Luxur und weiter nach Hurgada zu kommen.

Viele Pläne hatten wir nicht gemacht auf unserer Reise, aber mit dem, die Fähre von Hurgada nach Sharm el Shaik zu nehmen. Dies wäre die günstigste Variante gewesen. Da aber seit ca. sechs Monaten gar kein Schiff mehr fuhr, was hier leider auch keiner wusste und der Tunnel in Sues wegen der Ausschreitungen gesperrt war, blieb uns nur noch das Fliegen. Zehn Minuten Flug später und viele Pfund ärmer landeten wir dann auf der anderen Seite des Roten Meeres.

Nach einer weiteren Planänderung schlossen wir uns einem Pärchen an und blieben sechs Tage in Dahab, um im Golf von Aqaba zu schnorcheln und die Ruhe zu genießen, die alle panisch abgereisten Touristen hinterlassen hatten.

 

Wir schreiben den 11 Februar im Jahre des Paragraphen

Mubarak der bisherige Präsident Ägyptens tritt zurück.

Somit geht auch unsere schöne Zeit in diesem Land zu Ende, am selben Tag nehmen wir die Fähre von Nuweiba nach Aqaba in Jordanien. Auf der überfahrt treffen wir auch gleich noch eine Deutsche die ein halbes Jahr in Cairo studiert hatte und so wie wir jetzt auf dem Rückweg auf dem Wasser- und Landweg nach Deutschland war. Mit ihr fuhren wir auch gleich weiter nach Amman die Hauptstadt Jordaniens. Nach mehrtägigem auf und ab -gelaufes in dieser riesigen, verdammt hügeligen Stadt wollten wir dann auch weiter Richtung der syrischen Stadt Damaskus.

An der Grenze angekommen wurde uns allerdings der Zutritt verwehrt, dies bedeutete, dass wir keine Visa bekamen und mal wieder eine Kehrtwende machen mussten. Enttäuscht und wieder einige teuer eingetauschte Dinar ärmer, ging es wieder nach Amman zurück. Der Rückweg über Land war nun gescheitert und wir überlegten uns eine neue Reiseroute. Unsere Flugticket Fee „Nata“ überzeugte uns das der günstigste Flug zurück nach Deutschland von dem israelischen Tel Aviv aus ginge. Da ja nun doch etwas Zeit und Geld übrig waren entschieden wir noch uns das Weltwunder Petra anzusehen, eine wunderschöne, aus vielen Höhlen bestehende Stadt, die direkt in den Fels gehauen wurde.

 Sieht immer noch wie bei Indiana Jones aus.Kurz danach erkannten wir, dass man mit ein paar kleinen Tricks auch in Jordanien wunderbar kostenlos mit dem Daumen Reisen konnte, was wir auch gleich auskosteten und über Tafila und Karak nach Madaba trampten.

Da wir schon einmal hier waren machten wir auch gleich noch einen Tagestrip ans tote Meer und lasen dort, schwimmend, Zeitung, die keiner von uns verstand, da wir ja immer noch kein Arabisch konnten, dies fühlte sich komisch an und sah sehr ulkig aus. Mit wunderschön weicher Haut ging es für uns auch bald ans Grenze überqueren, Richtung Israel, unser Flieger wartete ja schon.

Blöd war nur das wir die Tage durcheinander brachten und somit einen weiteren Tag warten mussten. So geht es all Denjenigen, die versuchen an einem der heiligen Tage von Israelis (schabat) oder Arabern zu reisen. Sie stehen blöd da und nichts passiert, inklusive der Grenze. Glücklicher weise wurden wir von sehr freundlichen jungen Arabern für eine Nacht aufgenommen. Diese meinten nur, dass in Jordanien niemand auf der Straße schlafen muss.

Am nächsten morgen ging es dann endlich direkt an die Grenze, wobei es mal wieder nicht einfacher wurde:

Nachdem wir unsere Ausreisesteuer bezahlt hatten, wollten wir nur so schnell wie möglich über die King Hussein Brücke trampen oder laufen und nach Jerusalem reisen.

Da hatten wir mal wieder die Rechnung ohne den GrenzWirt gemacht, denn Laufen im Grenzgebiet untersagt war, musste man einen Bus nehmen und bis zur Einreise-Station nach Israel fahren. Blöderweise gingen unsere letzten Dinare für die Ausreisesteuer drauf. Somit standen wir mit leeren Taschen vor dem Grenzbus den wir bezahlen >mussten<!

Nach langem Diskutieren mit dem Fahrer und dem Zöllner, ob wir nicht doch laufen könnten, mischte sich eine alte Amerikanerin ein und bezahlte einfach für uns.

Dankbar setzten wir uns im Bus neben sie und erzählte ihr, was wir machen und warum wir kein Geld mehr hatten. Nun stand nur noch die Frage im Raum warum sie uns so bereitwillig geholfen hatte. Sie erzählte uns ihre Geschichte, dass sie eigentlich nur das zurück gab, was ihr auch schon Jahre zuvor ohne Gegenleistung gegeben wurde. So erreichten wir nach kurzer Fahrt die israelische Seite der Grenze. Wer hier schon einmal die Länder gewechselt hat kennt diesen Kulturschock.

Eben noch im Arabischem Raum mit sehr verhüllten Frauen gewesen und drei Kilometer weiter beginnen europäische Verhältnisse mit offenen Haaren und sehr eng anliegenden Maßanzügen. Hinzu kam noch das wir ja fast eineinhalb Monate unterwegs waren ohne wirklich Frauen (ohne Schleier/Burka) zu sehen und dann auf einmal so was. Der Schock blieb nicht aus!

Nach verhältnismäßig kurzer Wartezeit von ca. zwei Stunden hatten wir es dann auch endlich geschafft offiziell in Israel einzureisen.

Da mein Reisekamarad gerade auf das Gepäck aufpasste und dabei Euros in Schäkel wechselte, wollte ich schnell mal sehen welcher Weg denn aus dem wunderschönen Ankunftsgefängnis heraus, an die öffentliche Strasse, führte. Weit kam ich leider nicht, denn schon nach der nächsten Häuserecke hatte ich ein Maschinengewehr im Gesicht! Dahinter stand ein Soldat der mich einfach nicht durchlassen wollte, egal was ich ihm erzählte. So kehrte ich mit schlechten Nachrichten zurück: „Trampen ist von hier ab erstmal nicht erlaubt“. Bus fahren war mal wieder die einzige Möglichkeit von der Grenze wegzukommen. In Jerusalem angekommen mischten wir uns erstmal unters Volk und besichtigten einen kleinen Teil der historischen Innenstadt. Zudem trafen wir eine alte Kollegin von meinem Reisekamerad, die auch gleich für Unterkunft und essen sorgte. Über diese Kontakte lernten wir noch mehr deutsche Volontäre kennen, die hier, im sogenannten geheiligtem Land, arbeiteten. Eine davon nahm uns mit zu einem kleinen Weinberg, der in der Nähe Bethlehems lag. Dort hofften wir, gegen etwas Arbeit eins, zwei Nächte übernachten zu können. Leider wurde unsere Arbeitsfähigkeit und die dortige Gastfreundschaft nicht so hoch angesehen. Daher mussten wir wieder zurück nach Betlehem und kamen bei einem Freund der Volontäre unter. Der nächste Tag bescherte uns auch nicht nur Freude. Es fing damit an, dass wir zum zweiten Mal in diesem Land ein Maschinengewehr vorm Gesicht hatten. Dies nur weil wir uns beim Verlassen des Palästinensergebietes den falschen Ausgang ausgesucht hatten. Da hieß es wieder umkehren und den Fußgänger Überweg nehmen. Nachdem wir die neun Meter hohe Mauer hinter uns hatten, liefen wir fast bis zur anderen Seite Jerusalems, um von dort in Richtung Tel Aviv zu trampen.

Die letzten zwei Tage verbrachten wir mit Rumgammeln in der ungewohnt freien, ungebändigten Atmosphäre Tel Avivs, die sich kaum für religiöse oder politische Zwänge des Umlandes zu kümmern schien.

Nun schien auch wirklich bald der letzte Cent ausgegeben zu sein und der Rückflug stand bevor.

Glücklicherweise wurden wir schon vorgewarnt, dass die Ausreise am Flughafen länger dauern könnte. Daher erschienen wir schon vier Stunden eher dort und versuchten einzuchecken. Nach einstündigem Einzelverhör und zweistündigem filzen, sowie Aus- und Einpacken unseres Charlys waren wir total erledigt. Doch endlich hatten wir uns wieder einmal durch die tiefen des Israelischen Zolls geschlängelt, und waren froh endlich im Flieger zu sitzen.

So kamen wir in Deutschland an, glücklich über unsere Reise, die uns quer durch unbekannte Ländereien führte und uns so die nahöstliche Kultur näher brachte. Trotzdem waren wir beide auch sehr beruhigt, wieder in vertrauten Gefilden zu sein.

 Tom und Michael am Strand

Eben einfach ein wunderschöne Reise.

Michael Gläßer, fremder Rolandsbruder
Tom Cedric Blecher, fremder Rolandsbruder